Die EU und die Macht

Ich finde es ja sehr interessant, wie EU Politiker auf die Situation in Irland reagieren. Von einfach “nochmal abstimmen lassen” bis “ignorieren” ist alles vertreten, was Demokraten so zu bieten haben. Genau wie ich es von Volksvertretern, die für mich arbeiten, erwarten würde.

Mir geht’s genauso wie den Iren, ich habe keine Ahnung, was der Vetrag von Lissabon bedeutet. Aber noch bevor ich mich mit dem eigentlichen Vetrag auseinander setzen würde wollen, würde ich gerne wissen, warum wir ständig Verträge brauchen? Lasst die Menschen zusammen wachsen, statt schriftlich die Zementierung eurer Macht zu fixieren.

Ich fühle mich so sehr als ein Europäer, aber die EU als solche hat einfach den Kontakt zum Boden verloren. Und Irland sollte ein Zeichen sein. 

Statt dessen aber wird versucht, mit nun blutigem Kopf weiter durch die Wand zu rennen. Der Erfolg muss her. Die Frage ist nur, welcher Erfolg? Weitere Pöstchen zu verteilen? Was soll mit Lissabon passieren, dass auch nicht so passieren könnte? Freiheit vertraglich festhalten? 

Mir geht das System leider nicht in den Kopf. Europa soll weiter zusammen wachsen. Das bedeutet für mich, bestehende Grenzen einreißen. In den Köpfen, in der Wirtschaft, in der Gesetzgebung, der Justiz, Tourismus, Politik, etc. Freiheit herstellen. Aber mit Verträgen?

Die europäische Demokratie ist leider übers Knie gebrochen. Da kommt nichts von unten, sondern eimerweise von oben. Nichts gelebtes, sondern verordnet. Mein Vorschlag, lasst die Menschen überhaupt sich erst einmal kennen lernen. Entdecken, finden, austauschen. Nach dutzende innereuropäischen Kriegen, Generationen, die mit Grenzen aufgewachsen sind, was will man mehr erwarten, als das die Sache Zeit braucht?

2 Responses to Die EU und die Macht

  1. Ein wirklich schöner Grundtenor (!) - Europa Zeit zu geben, um langsam und basisdemokratisch Richtung und Tempo zu wählen und so eigenverantwortlich “zusammen zu wachsen”. Allerdings bedeutet dieses Gedankenexperiment auch, dass am Ende eben nicht unbedingt die Verwirklichung einer gemeinsamen europäischen Idee stehen muss. Das wäre dann womöglich vorerst einfach einmal zu akzeptieren. (Visionen sind jedoch erlaubt und wünschenswert) Es sollten jedoch mehr kommunikative Räume geschaffen und deren Existenz mehr kommuniziert werden, in denen Basis (Bürger) und repräsentative Vertreter und Bürokraten (explizit nicht Überbau zu nennen) Perspektiven, Wege und Geschwindigkeiten verabreden. Hierin sollte auch daran erinnert werden, dass Europa eben kein “Job ist, den es zu erledigen gilt” und auch nicht die Spielwiese einer engagierten politischen Minderheit.

    …jaja…wieder wild mit dem zeigefinger gefuchtelt…

    Samson | 20:42 on the 15th of Juni, 2008

  2. Zu der “gemeinsamen europäischen Idee” - die ist ja wohl nur eine Politikerfiktion, um Macht abzusichern. Warum sollten Menschen nicht von sich aus ein gemeinsames Europa wollen? Ich brauche keine Grenzen. Die Frage ist, ob es dann genau das Europa ist, das Politikern am Besten passt. Aber wir verstehen uns schon ;-)

    Chr | 21:19 on the 15th of Juni, 2008

Leave a Reply