Musikkonsum im 21. Jahrhundert

Ich gebe zu, ich habe den Faden verloren. Musik entdecken ist nicht mehr so einfach oder ich habe kein Interesse mehr, Energie aufzuwenden, die immer neuesten Tracks zu kennen.

Es gab ein Zeit, in der ich auf Musik gestoßen bin, indem ich einfach das Radio oder den Fernseher angeschaltet habe. Ich konnte das Radio abends einschalten und in zwei Stunde mitbekommen, wo der Hammer hängt. Gepaart mit einschlägigen Sendungen auf MTV und ich kannte alle wichtigen Neuvorstellungen (aus dem Ausland).

Mittlerweile hat sich diese Taktik in totales Wohlgefallen aufgelöst. Aus der Radiozielgruppe bin ich rausgewachsen und die Qualität der “alten” Medien ging den Bach runter. Wahrscheinlich wissen Jugendliche heute gar nicht mehr, was Radio und MTV damals alles leisteten. Ich behaupte, ich bin musikalisch fast schon auf journalistischem Niveau herangezogen worden, so prasselten die Informationen auf mich ein. Und zwar unabhängige Information! Von einer Musikredaktion!

Mit dem Aufkommen immer neuer Pussycat Dolls verschwammen für mich immer weiter die Grenzen zwischen Mainstream und Anspruch. Der gute alte Kommerz zog in so ziemlich alles ein, was mir wichtig war, wenn die Sendung nicht schon vorher abgesetzt wurde.

Und heute? Es sollte eigentlich keinen Grund zur Beschwerde geben. Das Internet bietet alles. Aber was mir fehlt, ist nicht alles haben zu können! Es fällt mir unglaublich schwer, Musik für mich zu finden. Ich stöbere öfters im iTunes Store, ich höre 14 Internetradios, verfolge 58 Podcasts, lese 173 RSS Feeds, hörte via Pandora1 und habe trotzdem das Gefühl, nichts genaues mehr zu kennen. Last.fm hab ich ausprobiert, aber nicht gemocht. Ähnlich wie schon bei Pandora wollte ich bestimmte Songs hören und nicht Lieder, die so ähnlich klingen wie die, die ich dort angegeben habe.

Ich bin mir nicht sicher, ob sich meine Konsum- und Hörgewohnheiten geändert haben oder ob die Medienlandschaft an sich gewandelt hat.

Ich denke, meine Hörgewohnheiten haben sich geändert, aber die Medien nicht mit. Plus, die potentielle Auswahl an Musik ist einfach zu groß geworden. Ich häng nicht so vor dem Computer, wie ich Radio höre. Sprich, Pandora oder Last.fm könnten mir einen großen Dienst erweisen, wenn es mich immer begleiten würde.

Aber ehrlich gesagt, nach Stunden vor Pandora wiederholten sich Musiktitel. Und das Genrehören (was ich für eine der großartigsten Erfindungen halte) ermüdet einen nach mindestens einem halben Tag. Was fehlt ist die Struktur des alten Radios mit Moderatoren, die wissen was sie sagen, aber trotzdem nicht zu viel rumlabern. Doch selbst wenn es Moderatoren im z.B. Internetradio gibt, ohne lokalen Bezug spricht er mich einfach nicht an.

Fazit? Es muss erst noch die Form gefunden werden, die Musik so transportiert, wie es früher einmal war. Oder das Rad der Geschichte kann nicht zurück gedreht werden und Charts egal welcher Musikrichtung sind vorüber. Wenn Myspace und BitTorrent die Transportmittel der Zukunft sind, hab ich ein Problem.

Eins schieb ich noch hinterher. Unter Golden Era Jungle finden sich Perlen, die mich zufrieden haben lächeln lassen.

  1. leider ja für Europa legal abgeschaltet []

3 Responses to Musikkonsum im 21. Jahrhundert

  1. du musst heute mehr tun, um dich zu informieren. lies das musikmagazin VISIONS. geh in einen plattenladen und hör dir die bands an, welche dort besprochen werden. oder hör im internet auf dieser URL die sendung sounds!: http://www.drs3.ch/www/de/drs3/sendungen/top/sounds/2888./ueber.html
    wenn alle passiver werden, musst du selbst aktiver sein!

    Mister Shrink | 18:53 on the 1st of April, 2008

  2. Sehe gerade, Sounds! hat leider keinen Podcast… Aber danke für die Tipps.
    Weiß zwar nicht, ob alle passiver werden (?) aber das mit dem aktiv sein, um Musik zu finden stimmt schon. Das ganze System ist meiner Meinung nur noch nicht ausgereift und im Alltag verankert genug, wie z.B. Radiosendungen damals.

    Chr | 19:35 on the 1st of April, 2008

  3. also, ob alle passiver werden weiss ich natürlich auch nicht. das war jetzt nur so ein allerweltssatz. aber ja, ein system musst du dir schon selber aneignen. es gibt viele tolle plattformen, wo man über musik lesen kann. diese last.fm-geschichten funktionieren auch nur bedingt. ich benutze die gar nicht mehr, weil auch die mir mittlerweile nichts neues mehr erzählen können. wer liest, der ist könig (oje, ein weiterer allerweltssatz). suche auch nach radiostationen im internet, das gibt es auch. z.b. hier: http://www.byte.fm/

    Mister Shrink | 21:38 on the 1st of April, 2008

Leave a Reply