Evolution

Vor kurzem bin ich zum ersten Mal im Leben einem Menschen begegnet, der nicht an die Evolution “glaubt”. Er war Pastor, mein Alter und spricht gerne Menschen wie mich an, um zu erfahren, wie sie über Gott denken.

Über Religion zu diskutieren, fand ich ja schon immer interessant. Man kann sich so herrlich daran reiben und die feine Linie zeihen zwischen sich und den Anderen.

Wir haben über alles mögliche geredet, aber die Sache mit der Evolution blieb mir besonders hängen. Er fragte mich nämlich, ob ich diesen Mann, wie hieß er doch gleich, Darwin oder so, kennen würde? Der hat so etwas über die Menschheitsgeschichte gesagt, aber war ja selbst gar kein Wissenschaftler. Man kann das eben alles nicht beweisen, so wie ich ihm auch nicht nach dem Gespräch beweisen könnte, dass wir mit einander gesprochen hätten.

Ich wollte schon ansetzen, was dieser Beweis mit der Evolution zu tun hat, schwenkte aber schnell auf die Möglichkeit um, mit Hilfe von Isotopen und Massespektrographen das Alter von Dinosaurierknochen weit vor Jesus datieren zu können. Und das sogar wissenschaftlich, sprich Wissenschaftler unabhängig von einander. Wenn er möchte und die richtigen Geräte hätte, könnte er das Alter von solchen Knochen sogar selbst herausfinden.

Sein Gegenargument (als wenn es eines bedürfte) war, das es noch genügend Lücken in der Zeitleiste der Evolution gibt, die die Entstehung der Menschen durch Gott rechtfertigt.

Naja, da war das Argument auch schon zu Ende.

Interessant war auch sein Ansatz, wieso er an Gott generell glaubt, wieso ihm also ein Licht auf ging.

Für ihn ist Gott die ultimative Benchmark für Moral und schließlich auch Gesetz. Würde es Gott nicht geben, würde es keinen Grund geben, sich an Moral, Anstand, alles, was uns zusammen hält zu “glauben”. Ohne Gott könnte er einen Dieb nicht dingfest machen, denn die Gesetze hätten keine weitere Begründung.

Das hat mich in der Tat angeregt, darüber nachzudenken, was uns veranlasst, Gesetze ernst zu nehmen. Wir könnten sie einfach akzeptieren und (in einer Welt ohne Gott) mit Humanismus begründen. Weil wir Menschen sind, töten wir einfach keinen anderen Menschen.

Ihm, wenn ich ihn richtig verstanden habe, schien das “einfach” zu wenig. Nur aus uns selbst heraus nicht zu töten reicht nicht. Gott ist die letzte Instanz, die Rechtfertigung für unser Handeln.

Nach ca. 1,5 Stunden sind wir dann wieder unsere Wege gegangen. War interessant, aber wie immer, wenn man mit Vertretern der Christenheit spricht - sie kommen einfach nicht herum ums missionieren. Immer müssen sie die Botschaft vor sich hertragen. Missionierung, auch wenn gar nicht beabsichtigt, schwingt einfach immer mit bei ihnen.

Hatte ich ihm auch gesagt, und hat er mir auch voll bestätigt. Betriebsblind der Gute.

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