Interview mit Bundesinnenminister Schäuble

Ohne große Haus- und Körperdurchsuchung Probleme konnte ich im, natürlich nicht als Journalist akkreditiert, ein kleines Interview mit Minister Schäuble durchführen. Hier das Email-Protokoll.

Weiß das Kabinett oder gar ihr Ministerium über ihr twittering? Schließlich tauchen Sie ja mit Klarnamen auf.

Zu Beginn möchte ich betonen, dass ich die Einträge selbstverständlich
unter meinem eigenen Namen vornehme. Wer nichts zu verbergen hat, hat
nichts zu befürchten. Ich kann das nicht oft genug betonen.

Um Ihre Frage zu beantworten: Wer bei uns einen sogenannten Browser
bedienen kann, weiß auch davon. Im Kabinett besprechen wir solche
Angelegenheiten nicht, und derzeit ist es mir leider nicht möglich,
Ihnen dazu genaue Zahlen aus dem Ministerium mitzuteilen. Selbst wenn
ich könnte, unterlägen diese der Geheimhaltung. Dafür bitte ich um
Verständnis. Es dient Ihrer eigenen Sicherheit.

Wie sind Sie den überhaupt auf Twitter gestoßen? Ich dachte, sie wären wenig technikaffin und würden sich selbst Emails ausdrucken lassen?

Schauen Sie, die Leute in unserem Land verstehen das oft falsch. Es
ist nicht meine Aufgabe, auf schon vorhandene Fakten zu “stoßen”, wie
Sie sagen, sondern präventiv diversen Sicherheitsrisiken vorzubeugen.
Dazu gehört auch, aber nicht nur, das Sammeln von Daten zur späteren
Auswertung durch Antiterror-Spezialisten.

Wir haben Twitter mitentwickelt, weil Menschen im Allgemeinen
kooperativer sind, wenn sie glauben, sie handelten
eigenverantwortlich. Die Überwachung und Archivierung potentiell
terroristischer Planungsakte kostet die Steuerzahler enorme Summen,
wie Sie sich vorstellen können. Kostengünstiger für uns alle ist es,
wenn die Bürgerinnen und Bürger ihre Aktivitäten und Gedanken selbst
zur Archivierung bereitstellen.

Und das Gerücht, ich würde meine Emails ausdrucken lassen, das hat der
Wiefelspütz in die Welt gesetzt.

Schon 111 Freunde bei Twitter - alles wahre Freundschaften?

Entschuldigen Sie, dass ich Ihre Zahl leicht positiv korrigieren muss,
derzeit sind es 122. Die hohe Zahl kommt dadurch zustande, dass ich
mich bei den Menschen revanchiere, die mich als Freund haben möchten,
was mich übrigens sehr freut, wie ich anmerken möchte.

Ist die Stimmung wirklich so mies im Haus, wie das manchmal via Twitter rüberkommt?

Ach wissen Sie, Berti Vogts hat einmal gesagt, Hass gehöre nicht ins
Stadion, den solle man lieber zuhause bei der Frau im Wohnzimmer
ausleben. Nun, ich teile diese Auffassung von Herrn Vogts nicht, unter
anderem auch deswegen, weil ich meiner Frau und meiner Familie in
keinster Weise überdrüssig bin. Nein, ich trage all meine negativen
Emotionen in die tägliche Arbeit.

Ist Twitter der Grund, Journalisten vom G8-Gipfel auszustechen, damit Sie ungehindert und vor allen anderen Insidernews über den Zaun senden können?

Diese Frage ist sachlich falsch. Erstens werden keine echten
Journalisten während des G8-Gipfels zugelassen, ungehindert arbeiten
kann ich als Bundesinnenminister sowieso größtenteils bereits, und
bitte vergessen Sie drittens nicht, dass ich gar kein Insider bin, was
den G8-Gipfel in Heiligendamm betrifft, da ich an keinen Gesprächen
teilnehmen werde. Also nein, ich werde weiterhin aus Berlin senden.

Was wird nach G8 kommen? Der Zaun bleibt stehen, oder? Eine Attraktion mehr im Ort! Denken Sie nur an die Arbeitsplätze.

Sie wissen sehr wohl, dass der Zaun zunächst Sache des Landes und
nicht des Bundes ist. Deswegen entscheiden zunächst Land und Kommune
über die Zukunft des Zaunes. Meine Empfehlung wäre, einen Käufer für
den Zaun zu finden. Vielleicht sind Israel oder der Libanon daran
interessiert. Sollte sich kein Käufer finden, bleibt immer noch eBay.

Sind Sie (zur Zeit) gerne Innenminister? War unter Kohl alles einfacher?

Unter Kohl kaum, neben ihm schon.

Aber Scherz beiseite. Wissen Sie Herr CHR*, man darf sich nicht
fragen, ob eine Aufgabe einfach oder schwer ist oder ob man sie gerne
angehen möchte. Man muss sich fragen, ob man sie bewältigen kann und
was man damit erreichen will. Irgend jemand muss es ja tun.
Selbstverständlich wohnt einer großen Koalition immer mehr
Konfliktpotential inne als einer Koalition mit einer Partei ohne
eigenes Programm, wie zum Beispiel der FDP.

Andere Zeiten erfordern andere Methoden, der Ball ist rund und eine
Legislaturperiode dauert vier Jahre, die nächste Regierung ist immer
die schwerste. Ich wachse an meinen Aufgaben.

Ist Deutschland unter ihrer Hand immer sicherer oder unsicherer geworden?

Schauen Sie, schon die Art der Fragestellung ist doch irreführend. Es
geht nicht darum, ob unser Land sicher ist, sondern dass unser Land
sicher ist. Mit meiner Person hat das nichts zu tun. Sicher ist
Deutschland sicher, das kann ich Ihnen versichern. Damit das so bleibt
in Zeiten hoher terroristischer Bedrohung, muss man die richtigen
Entscheidungen treffen.

Als Sportminister haben Sie sicherlich auch die Dopingsünden deutscher Sportler mitbekommen? Ihre Sünden?

Ach Herr CHR*, wissen Sie, ich war immer dagegen, dass so eine
zentrale, wichtige Position wie die des Bundesinnenministers auch noch
mit den Niederungen des Sports belastet wird. Für Sport interessiere
ich mich nicht sehr, aber ich kann Ihnen folgendes sagen:

Doping gerade beim Radfahren in der freien Natur betrachte ich als
schändlich und hinterhältig, als Betrug an rechtschaffenden Sportlern,
die im Schweiße ihres Angesichts trainieren und arbeiten, als
hinterhältige Lüge, als egoistische Ellenbogenmentalität, bei der nur
noch der eigene Profit, der eigene Vorteil und die eigene Platzierung
zählen. Das alles hat im Sport nichts verloren. Ich wünschte mir
wirklich, der Sport würde sich ein Beispiel an der Politik nehmen.

Der Problembär Bruno scheint vergessen, denken Sie überhaupt noch an ihn?

Nein. Ich bin Innenminister des Bundes. Da lernt man, in anderen
Dimensionen zu denken.

* Name des Autors geändert

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