Wie Powerpoint unser Leben verändert
Schon mal darüber nachgedacht? Wahrscheinlich nicht.
Viele abertausend Menschen nutzen “neuerdings” Powerpoint - an der Uni oder in Unternehmen um mit anderen zu kommunizieren - ohne sich Gedanken zu machen. Kaum einer stellt sich die Frage, ob das Aufbrechen von Informationen in kleine Häppchen, Slide für Slide, überhaupt sinnvolle Kommunikation ist. Das Programm liegt halt auf 90% aller Rechner eh rum, dann wird es auch benutzt.
Über die Problematik PP bin ich erst so richtig an der Uni gestolpert. Jeder Professor benutzt es für die Vorlesung, der Student druckt sich dann die Folien aus und schreibt seine Notizen an den Rand. So geht das Semester für Semester, Vorlesung um Vorlesung. Wenn ich mir aber Zuhause die Folien anschaue, schaue ich auf ein Blatt Papier, das mir gar nichts sagt. Und das aus zwei Gründen:
- Die Folien sind eine Redehilfe für den Professor. Dementsprechend enthalten die Folien nichts als Stichworte und Gedankenbrücken, die sich erst in Verbindung mit den restlichen Ideen im Kopf des Professors zu einer Vorlesung ergeben. Eine Art Schmierzettel. Ob die Folien aus Sicht des Studenten als Lerngrundlage hilft ist wahrscheinlich nie überprüft worden.
- Wenn dann auch noch meine Notizen dazu kommen, habe ich nicht nur eine sondern zwei Gedankenbrücken auf einem Stück Papier. Den gedanklichen Zusammenhang wieder herzustellen ist dann umso schwieriger - es fehlen ganz einfach die Worte zwischen den Wörtern!
Ich kenne noch die handschriftlichen Mitschriften meiner Mutter aus ihrer Studienzeit. Alles was der Professor erzählte, musste sie mitschreiben und in eigene Worte fassen. Ordnerweise liegen heute noch die Blätter bei ihr rum. Natürlich wird der Professor in einer Art und Weise vorgetragen haben, die es den Studenten möglich machte, zu folgen. Und wenn ich auf diese Zettel schaue, ist das so wie in einem kleinen Buch nachzulesen, was Sache ist.
Auf dieses Problem hat auch Edward Tufte in einem Post aufmerksam gemacht (lang und Englisch). Da geht es um die Aufarbeitung der Columbia Katastrophe 2003. Nahezu alle internen Berichte werden bei der NASA in PP präsentiert. Das heißt, wissenschaftliche und ingenieurstechnische Probleme werden in Bulletpoints und Schlagworten untergebracht. Tufte kommt zu dem Schluß, dass durch PP-inhärente Techniken wie das Einrücken von Stichpunkten eine Hirachie von Erklärungen entstand, die dazu führt, das Problem des sich abgelösten Schaumstoffes falsch zu analysieren. Seine Lösung? Einfach einen Bericht schreiben, statt Probleme in Diagramme zu gießen, die erst durch Sprache Sinn ergeben.
Ein weiteres Beispiel findet sich hier.
PP scheint zu verrückten Diagrammen zu verführen. Dieses beschäftigt sich mit der Invasion in den Irak und entstammt der Joint Task Force IV, the group initially responsible for explaining how “Phase IV” (the occupation) would work. Es wird sichtbar, dass die Folie die Gedanken des Urhebers darstellt, aber nicht in der Lage sein wird, in dem Betrachter Gedanken zu erzeugen. Zumindest nicht die Beabsichtigten. Es stellt ein reines Gerüst dar, ohne den eigentlichen Inhalt zu vermitteln.
Mein großes Problem ist nun, dass PP an der Uni so Einzug gehalten hat. Jeder klammert sich an sein Laptop und denkt, da es zeitgemäß ist, muss es nunmal so sein. Ob aber tatsächlich Informationen dauerhaft transportiert werden hinterfragt niemand. Wenn jemand dazu eine Studie kennt, poste bitte ein Kommentar. Da schleicht sich eine Form der Präsentation in unsere 4 Wände, die nicht gut sein kann. Die wichtigsten Teile der Kommunikation, wie Reflexion, Interaktion oder das Begreifen von Zusammenhängen, bleiben auf der Strecke.
Dazu kommt noch der Death by Powerpoint. Die wenigsten Präsentationen sind spannend - alle starren auf den Bildschirm und lesen ab. Da stirbt die Konzentration, egal wieviel Tipps MS da geben möchte.